Vestibularsyndrom Goldie Jimmy
Der acht Jahre alte Golden Retriever Jimmy lag eines Tages nur noch herum, zitterte und erbrach sich. Drei Wochen zuvor hatte er eine Ohrenentzündung.
In der klinischen Untersuchung vor Ort konnten wir erkennen, dass Jimmy hinten immer wieder wegknickte, mit dem Kopf wackelte und ihn schief hielt. Außerdem fiel eine unphysiologische Augenbewegung auf. Dies nennt man Nystagmus – eine entweder horizontale oder vertikale, unphysiologisch schnelle Augenbewegung. Zudem war er zeitweise nicht stehoder gehfähig. Seine restlichen Vitalparameter wie Herzfrequenz, Puls, Temperatur und Schleimhautfarbe waren jedoch in Ordnung.
Aufgrund des Nystagmus war für uns ein Vestibularsyndrom die wahrscheinlichste Diagnose. Ich bezeichne es gerne als Gleichgewichtsstörung, während Patientenbesitzer es oft mit einem Schlaganfall verwechseln. Das Vestibularsyndrom kann verschiedene Ursachen haben. Eine mögliche periphere Ursache ist eine Veränderung im Mittel- oder Innenohr, da sich dort ein Teil des Gleichgewichtsorgans befindet. Eine weitere Ursache kann im zentralen Nervensystem, also im Gehirn, liegen. Dort können beispielsweise Blutungen, Infarkte oder Tumorwachstum Gleichgewichtsprobleme verursachen. Eine dritte Möglichkeit ist ein geriatrisches oder idiopathisches Vestibularsyndrom – das bedeutet, dass keine konkrete Ursache gefunden werden kann. Diese Tiere bessern sich jedoch häufig mit symptomatischer Therapie innerhalb einer Woche.
Bei Jimmy erschien uns aufgrund seiner vorangegangenen Ohrenentzündung ein peripheres Vestibularsyndrom als wahrscheinlich. Da sich dies jedoch nur mit weiterer bildgebender Diagnostik, wie z. B. CT oder MRT, sicher bestätigen lässt, rieten wir zu einem Transport in eine Tierklinik. Die Besitzerin war damit einverstanden. In der Bildgebung konnte jedoch keine Ursache festgestellt werden, weshalb die Tierklinik von einem idiopathischen Vestibularsyndrom ausging.